In Teatro Tango® geraten die Rollen in Bewegung. Nähe und Distanz treten ins Spiel, ziehen sich an, weichen aus und halten inne. Führen und Folgen wandern von einem Körper zum anderen. Manchmal übernimmt die Musik, manchmal der Raum. Irgendwann gehört die Bewegung niemandem mehr allein. Die Situation beginnt zu tanzen.
Worum es geht
Teatro Tango® begegnet dem Tango an seiner Quelle: in dem Augenblick, in dem aus einer körperlichen Entscheidung eine Form entsteht. Nähe und Distanz, Kontakt und Stopp, Blick, Rhythmus und Richtung werden zum Material der Begegnung.
Kontakt entsteht durch Blick, geteilte Aufmerksamkeit, eine gemeinsame Richtung, Distanz und auch durch Berührung.
Die Teilnehmenden bewegen sich zwischen unterschiedlichen Rollen. Sie nehmen wahr, entscheiden, handeln, erleben die Wirkung und antworten. Aus den Beziehungen zwischen diesen Entscheidungen entsteht eine gemeinsame Form.
Die Seele des Tangos lebt in vielen Arten von Musik. Deshalb ist die Musikliste bewusst breit und offen. Sie umfasst unterschiedliche Stile, Zeiten und Klangwelten, öffnet neue Impulse und ruft verschiedene körperliche Antworten hervor.
Wie wir arbeiten
Am Anfang steht das Ankommen im Raum, im eigenen Körper und in der Gruppe. Ich beobachte, was im Augenblick entsteht, und gebe es den Beteiligten als neue Aufgabe zurück.
Ich öffne einen klaren Rahmen, in dem das eigene Bewegungsrepertoire wach wird und sich erweitert. Eigene Entscheidungen, Wiederholungen und wechselnde Konstellationen lassen die Bewegung Form gewinnen.
Woher Teatro Tango® kommt
Seit 1986 entwickle ich Teatro Tango® aus meiner Perspektive als Regisseur.
Was Astor Piazzolla seit den 1960er Jahren mit dem Tango bewirkte, wurde für meine Generation zu einer Befreiung. Er löste den Tango aus den Krallen der Nationalisten und Konservativen und öffnete ihn wieder für die Menschen von Buenos Aires.
In meinen ersten Theatergruppen hörten wir Pink Floyd, Led Zeppelin, Vox Dei und Astor Piazzolla. Später kam Rodolfo Mederos hinzu. Aber leise. Die Ohren der Diktatur waren überall, willkürliche Verhaftungen gehörten zum Alltag.
Auch Osvaldo Pugliese wurde wegen seiner politischen Überzeugungen verfolgt und mit Auftrittsverboten belegt. Um weiterarbeiten und leben zu können, spielte er auf privaten Familienfesten. Seine Kunst, die auf große Bühnen gehörte, musste in den Schutz privater Räume ausweichen.
Ich erlebte ihn bei einem solchen Fest in Buenos Aires. Seine rote Nelke auf dem schwarzen Flügel, ein Zeichen des Widerstands, blieb mir unvergesslich.
Aus dieser Geschichte entstand Teatro Tango®. Der Tango ist für mich Musik, Poesie, gesellschaftlicher Konflikt, Widerstand, Erinnerung und die Suche nach einer anderen Möglichkeit der Begegnung.
Musik zum Teatro Tango®
Diese Playlist begleitet die Atmosphäre von Teatro Tango® – Musik für Begegnung, Bewegung und Improvisation.